Die Flaschenpost Gründerstory

Renzo Schweri und Dominic Blaesi

 

 

Interview mit den Flaschenpost-Gründern
Dominic Blaesi und Renzo Schweri

„Wir wollen das Weinbestellen so einfach wie möglich machen.“

 

Unser Jubiläum ist der ideale Anlass, um auf die bewegte Geschichte von Flaschenpost zurückzublicken. Es war ein abenteuerlicher Weg von der Idee, den Weinhandel online zu vereinfachen, bis zum grössten Weinkeller der Schweiz mit über 17'000 Weinen. Renzo und Dominic haben im Gespräch mit unserer Flaschenpost-Redaktorin Karin die wichtigsten Momente und Missionen aus 10 Jahren Flaschenpost Revue passieren lassen.

 

 

10 Fragen zu 10 Jahren Flaschenpost

 

 

Erstmal herzliche Gratulation zum 10-jährigen Jubiläum von Flaschenpost! Habt ihr euch schon entscheiden können, mit welchem von den über 17’000 Weinen aus dem Flaschenpost-Angebot ihr darauf anstossen werdet?

 

Dominic Blaesi: Anstossen, eine gute Idee! Das machen wir mit einem Wein aus dem Piemont, dort wo Flaschenpost entstanden ist.

Renzo Schweri: Genau! Der Barbaresco Santo Stefano von Castello di Neive wäre passend. Diesen Wein haben wir damals auf dem gleichnamigen Weingut getrunken, während wir den ersten Businessplan für Flaschenpost geschrieben haben.

 

 

«Den Businessplan für Flaschenpost haben wir auf einem Weingut im Piemont geschrieben.»

 

 

 

 

«Die Idee für Flaschenpost entstand bei mitternächtlichen Diskussionen in unserer Studi-WG.»

Könnt ihr uns von der Geburtsstunde der Flaschenpost-Idee erzählen?

 

Dominic Blaesi: Wir lieben Wein! Deshalb hat Renzo seine Diplomarbeit an der Uni über „Qualitätsweine als Finanzanlage“  geschrieben. In unserer Studi-WG im Dachstock des Restaurants Kunststuben hatten wir bei mitternächtlichen Diskussionen und einem guten Glas Wein die Idee für Flaschenpost.

Renzo Schweri: Als Weinliebhaber ärgerten wir uns, dass das Weinsuchen und -bestellen viel zu kompliziert war. Wir waren überzeugt – und sind es bis heute noch – dass das viel einfacher gehen muss. So haben wir uns vorgenommen, das Weinkaufen so einfach, bequem und preiswert wie nur möglich zu machen – mit dem grössten Weinangebot der Schweiz.

 

Die Konkurrenz im Weinhandel war schon vor 10 Jahren gross. Was hat euch dennoch bewogen, euch auf dieses Abenteuer einzulassen?

 

Renzo Schweri: Ganz ehrlich, wir wussten gar nicht, worauf wir uns einliessen! (lacht) Aber es war schon damals unsere Überzeugung, dass in Zukunft der grösste Teil aller Weinkäufe online stattfinden wird. Als wir angefangen haben, gab es aber noch kein Zalando und kein iPhone – in dieser Zeit wurden wir oft belächelt.

Dominic Blaesi: Heute wissen wir, dass es viele Weingeniesser gibt, die ihre Weine am liebsten übers Internet bestellen – und es werden täglich mehr. Und genau für diese Kunden möchten wir das Weinkaufen laufend revolutionieren mit einem immer noch besseren Service und einem immer noch umfassenderen Angebot.

 

 

 

«Wir wussten nicht, worauf wir uns einliessen!»

 

 

 

 

 

«Wir fühlen uns privilegiert, etwas Bleibendes schaffen und Verantwortung übernehmen zu können.»

Die Zufriedenheit der Kunden steht bei euch bekanntlich an erster Stelle, ihr sprecht von «Wow!-Service». Welcher war euer persönlicher «Wow!-Moment» in der Flaschenpost-Geschichte?

 

Dominic Blaesi: Es ist bis heute ein unvergesslicher Moment: 7. Januar 2008, der erste Tag als Vollzeit-Flaschenpöstler. Ein Gefühl von Freiheit, Überschwänglichkeit und ein bisschen so, wie wenn man eine lange Reise antritt: neugierig, mutig, glücklich und nicht ohne Respekt, vor dem, was einen erwartet.

Renzo Schweri: Bis heute haben wir unsere Entscheidung – bei allen Herausforderungen und Ups and Downs – keinen einzigen Tag bereut. Im Gegenteil: Wir fühlen uns privilegiert, etwas Bleibendes schaffen und Verantwortung übernehmen zu können.

 

Gab es eigentlich auch Durststrecken auf eurem Weg zur führenden Online-Weinhandlung der Schweiz?

 

Dominic Blaesi: Ja, die gab es immer wieder. Eine besonders herausfordernde Situation erlebten wir anfangs 2010. Wir studierten den Jahresabschluss und hatten es schwarz auf weiss: Unser Geschäftsmodell funktionierte in seiner damaligen Ausgestaltung nicht und wir mussten uns ernsthaft fragen, ob Flaschenpost überhaupt eine Zukunft hat.

Renzo Schweri: Wir mussten verschiedene grundlegende Anpassungen vornehmen und unser Unternehmen neu kapitalisieren. Dennoch war die wegweisende Entscheidung weiter zu machen sehr herausfordernd. Wir wollten uns nichts vormachen, gleichzeitig hatten wir eine tiefe innere Überzeugung und klare Signale aus dem Markt, dass die Menschen unsere Dienstleistung wollen.

Dominic Blaesi: So arbeiteten wir über mehrere Monate beinahe Tag und Nacht an der Verwirklichung unserer Idee. Und heute wissen wir: Es war jede Mühe wert!

 

 

 

 

 

 

«2010 realisierten wir schockartig, dass unser Businessmodell nicht funktionierte.»

 

 

 

 

 

 

 

«Service ist unsere wichtigste Priorität.»

Könnt ihr uns einen kleinen Einblick in euren Arbeitsalltag geben?

 

Renzo Schweri: Wir möchten, dass unsere Kunden bei uns jeden Wein finden, den sie suchen. Und wir möchten ihnen Weine empfehlen, die sie lieben und die genau ihren Geschmack treffen. Aus diesem Grund verbringe ich sehr viel Zeit damit, mich mit unseren Lieferanten auszutauschen, unser Angebot über neue Partnerschaften laufend zu vergrössern (bald werden wir über 20'000 Weine in unserem Sortiment haben) und bei den Produzenten vor Ort die besten und preiswertesten Weine für unsere Kunden auszuwählen.

Dominic Blaesi: Neben dem Weinangebot ist Service unsere wichtigste Priorität. Entsprechend beschäftige ich mich die meiste Zeit damit, gemeinsam mit unserem Team Wege zu finden, den Flaschenpost Weinservice noch besser und unsere Kunden noch glücklicher zu machen.

Renzo Schweri: Last but not least liegt uns die persönliche Weiterentwicklung unserer Flaschenpöstler und die Kultur unseres Unternehmens enorm am Herzen. Wir wollen einen Ort schaffen, an dem wir uns ständig weiterentwickeln und unsere Talente ausleben können – daran arbeiten wir täglich.

 

Wäre Flaschenpost ein Wein, was für einer würde es sein?

 

Beide gleichzeitig: Cair!

Renzo Schweri: Dieser einmalige Ribera del Duero ist zugänglich, hält gleichzeitig aber auch einem anspruchsvollen Geschmack stand. Er ist modern, hat aber seine Wurzeln nicht vergessen. Er ist authentisch und mit viel Herzblut gemacht. Doch am wichtigsten ist: Er macht einfach viel Freude!

 

 

«Der Cair ist authentisch und mit viel Herzblut gemacht.»

 

 

 

 

 

 

 

«Es gibt nichts Schöneres, als einen mit Liebe gemachten Pinot Noir zu geniessen!»

Wein dominiert euren Arbeitsalltag – aber welche Bedeutung hat ein gutes Glas Wein für euch privat?

 

Dominic Blaesi: Ein gutes Glas Wein zu trinken bereitet mir einen riesigen Genuss! Ich liebe es, einen schönen Wein auszusuchen, der zu meiner Stimmung passt. Und ich bin immer wieder von neuem fasziniert, was für ein spannendes Universum an Geschmäckern, Geschichten und Erlebnissen mit Wein verbunden ist.

Renzo Schweri: Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Wein. Bereits in meinen frühen Erwachsenenjahren beschäftigte ich mich intensiv mit den verschiedenen Provenienzen, den Herstellverfahren und den Eigenheiten der unterschiedlichen Weine. Während meines Ökonomiestudiums arbeitete ich während den Semesterferien auf Weingütern und schrieb – wie bereits erwähnt – meine Diplomarbeit in diesem Bereich. Doch bei aller Theorie, es gibt nichts Schöneres, als einen mit Liebe gemachten Pinot Noir zu geniessen!

 

Ihr habt es in 10 Jahren geschafft, den Weinhandel zu revolutionieren. Für viele Leute ist es heute eine Selbstverständlichkeit, über flaschenpost.ch ihren Weinkeller zu füllen. Jetzt könntet ihr euch zurücklehnen und geniessen, aber ihr scheint voller Tatendrang und man könnte den Verdacht hegen, dass ihr noch den einen oder anderen Geniestreich auf Lager habt…

 

Dominic Blaesi: Wir lehnen uns noch lange nicht zurück! (lacht) In unserem Jubiläums-Jahr planen wir wichtige Innovationen im Service-Bereich. Das Weinbestellen und die Lieferung werden noch viel kundenfreundlicher – wir heben den Service auf ein neues Level.

Renzo Schweri: Und für das nächste Jahr haben wir eine grosse Idee in petto. Sie dürfen sich freuen – 2018 wird im Weinhandel eine neue Zeitrechnung anfangen.

 

 

 

 

«2018 wird für den Weinhandel eine neue Zeitrechnung anfangen.»

  

 

 

 

«Niemand wird mehr Kisten schleppen.»

Und zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Eure Prognosen für den Online-Weinhandel der nächsten 10 Jahre?

 

Dominic Blaesi: Für einen Grossteil der Weingeniesser wird es selbstverständlich sein, Wein übers Internet zu kaufen. Niemand wird dann mehr Kisten schleppen oder sich einen grossen Weinkeller anlegen wollen, wenn das ohne Zusatzkosten auch ganz einfach online geht.

Renzo Schweri: Wir freuen uns sehr darauf, die Weinbranche mit viel Herzblut und neuen Innovationen auch in den nächsten 10 Jahren prägend mitgestalten zu dürfen und unsere Vision weiter zu verwirklichen.