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No. 30

Das Gute liegt so nah

«Es ist so naheliegend – und doch trinkt nur knapp ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer regelmässig Schweizer Wein. Schade, denn es gibt so viele spannende Winzerinnen und Winzer in unserem Land. Wir freuen uns, Ihnen in dieser Ausgabe Micha und Luca Davaz aus der Bündner Herrschaft vorzustellen – und wir wünschen uns, dass wir Ihnen in Zukunft noch viele weitere Talente «von nebenan» schmackhaft machen können. Zum Wohl!»

Renzo Und Dominic@2x

Dominic Blaesi & Renzo Schweri

Gründer

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«Die Schweiz bietet alles, was das Weinherz begehrt.» – Micha Davaz

Im Zweitakt für den Bündner Wein

Wer von Maienfeld den Blick über den Falknis schweifen lässt, sieht vor seinem inneren Auge sogleich Heidi mit dem Geissenpeter durch die Wälder und Wiesen streifen. Die Bündner Herrschaft repräsentiert die typische Postkarten-Schweiz. Doch gerade als sich Langeweile breitmacht, durchbricht ein Knattern die Stille. Es ist ein wohlbekanntes und doch erfrischend aufregendes Gedröhn… Töfflilärm! Willkommen bei den Davaz-Brüdern in Fläsch. Die zwei Bündner wollen die Schweizer Weinszene aufwecken – etwa so wie sie früher mit ihren Töffli die Einwohner von Fläsch und Maienfeld aus deren Tagträumen ins Hier und Jetzt zurückholten. «Unser Ziel ist es, innovative und qualitativ hervorragende Schweizer Weine zu produzieren und diese einem möglichst breiten Publikum näher zu bringen», sagt Micha. Er hat in St. Gallen Betriebswirtschaft studiert und führt seit 2018 die Weinhandlung von Salis. Sein Bruder Luca ist Weintechnologe und zuständig für die Vinifikation der Eigenweine. «Wir ergänzen uns prima!», sagen die beiden und wer sie zusammen sieht, glaubt das sofort. Aufmerksamkeit erregen die Töfflibuebe heute aber nicht mehr mit Lärm und Gestank, sondern ganz im Gegenteil mit feinem Wein. Also Gamaret und Pinot statt Hercules und Pony. Was gleichgeblieben ist: Der jugendliche Übermut, die Lust Neues zu probieren und die eigene Reichweite auszudehnen.

Das Image der Schweizer Weine hat sich in den letzten 15 Jahren massiv verbessert. Darauf kann die neue Generation aufbauen und sie tut dies äusserst spielerisch und selbstbewusst. Trotzdem: Nur knapp ein Drittel der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer trinkt regelmässig einheimische Weine. Die Tendenz ist allerdings steigend: «Vor allem junge Leute wollen vermehrt regionale Weine entdecken», sagt Micha Davaz. Wer kraftvolle Weine mit intensiver Farbe und verführerischer Fruchtsüsse sucht, muss längst nicht mehr zum Süditaliener greifen. Warum also in die Ferne schweifen? Das Gute liegt in Töfflidistanz.

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Sie wollen dem Burgund das Wasser reichen

Längst sind es nicht mehr nur die Bündnerinnen und Bündner, die der festen Überzeugung sind, dass die Herrschaft abgesehen vom Burgund das beste Terroir für Pinot Noir hat. «Wenn man das Preis- Leistungsverhältnis berücksichtigt, sind wir sogar besser als die Burgunder», sagt Micha Davaz mit Nachdruck. Den Grundstein des Erfolgs bilden die kalkhaltigen, durchlässigen Böden, die einen hohen Anteil an Bündner Schiefer aufweisen. Die andere wichtige Zutat ist das ideale Klima, das von viel Sonnenschein, dem Föhn und den enorm wichtigen, grossen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht geprägt ist.

Micha und Luca sind – zusammen mit ihren vier Schwestern – auf dem Weingut aufgewachsen, das ihr Grossvater in den 1970er Jahren gegründet hat. Es liegt zwischen Fläsch und Maienfeld, ziemlich abgelegen und mitten in den Reben. Eine Idylle? «Wir mussten schon früh mitanpacken, hatten aber auch Spass dabei. Zum Beispiel fuhr ich schon mit 10 Jahren mit dem Traktor im Weinberg auf und ab. Später als Teenager fand ich es dann nicht immer so toll, wenn ich samstags oder in den Schulferien schon früh am Morgen bereitstehen sollte», gesteht Micha. So mühsam es war, nach dem Ausgang im Weinberg antraben zu müssen, so dankbar sind die beiden heute für die reichliche Erfahrung, die sie dabei sammeln konnten. Sie haben den Pinot Noir im Blut und sind tief verwurzelt mit dem einzigartigen Terroir. Seit dem Jahr 2016 vinifiziert von Salis einzelne Weinberge aus der Bündner Herrschaft – mit grossem Erfolg. So gewannen sie 2018 unter anderem den begehrten Grand Prix du Vin Suisse in der unumstrittenen Königsdisziplin Pinot Noir. Die Töfflibuebe befinden sich also definitiv auf der Überholspur!

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Der Sommer kann kommen

Es lebt sich doch einfach gut in der wärmsten Jahreszeit: So viele Möglichkeiten, so lange Tage. Nach dem Feierabend kurz in die Badi für eine Abkühlung, abends bei einem Glas Wein auf dem Balkon die Zeit vergessen. Das Leben findet draussen statt, wir erweitern unseren Horizont, tanzen unter dem Sternenhimmel, sind offen für neue Begegnungen. Hier sind unsere sechs Weintipps für einen Sommer voller Lebensdurst!

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Der Entspannte

Was gibt es Beruhigenderes als am Abend draussen zu sitzen und zuzuschauen, wie sich die Sonne langsam verabschiedet? Dabei zaubert sie ein Farbspektakel an den Himmel, das uns an diesen feinen Rosé erinnert...

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Der Grillchef

Die Argentinier machen uns vor, was Glück bedeutet: Möglichst viele nette Leute einladen, einen kräftigen Malbec entkorken und zu leckeren Sachen vom Grill bis in die Nacht beisammensitzen.

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Der Romantiker

Dieser wunderbare Chardonnay bringt französisches Flair in unseren Sommer. Man kann sogar feine Madeleines rausschmecken. Wie gemacht fürs romantische Picknick im Park oder das Tête-à-Tête auf dem Balkon.

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Der Entdecker

Die Brüder Arturo und Kike aus der Rioja loten die Grenzen des Gewohnten aus, etwa mit diesem jungen und fruchtigen Rotwein. Passt in jeden Wanderrucksack und sorgt für eine gute Portion Rioja’n’Roll.

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Der Partykracher

Laue Nächte und prickelnder Prosecco – eine verheissungsvolle Kombination. Am Pool, auf der Dachterrasse, im Garten… die Stimmung ist überschäumend. Wie die Bläschen im Glas tanzen auch wir den Sternen entgegen.

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Der Frischekick

Es gibt nichts Erfrischenderes als ein Glas Musgo. Mal abgesehen von einem Schwumm im Fluss nach einer Partie Beachvolleyball. Ein Sommer ohne diesen fruchtigen Verdejo? Das wäre wie Flanieren am See ohne Glace.

«Jenseits vom Rot-Weiss-Denken»

Orange Wines öffnen ganz neue Geschmackswelten

Immer häufiger trifft man sie in Weinbars und Gourmet-Restaurants an: Orange Wines. Man könnte sie beschreiben als Weissweine, die sich wie Rotweine verhalten. Sie haben die spritzigen Aromen eines Weissweins, sind aber gehaltvoll, opulent und gerbstoffreich wie ein Rotwein. Quasi weder Fisch noch Vogel. Da ist es verständlich, dass uns das erstmal vor den Kopf stösst. Wir kennen es nicht und können es nicht einordnen. Doch dranbleiben lohnt sich, denn so öffnen sich völlig neue Geschmackswelten.

Was wie ein neues Experiment klingt, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit die ursprünglichste Form des Weins. An diese Tatsache will der Vespaiolo von Contrà Soarda anknüpfen. Sein Name «121 b.C.» verweist auf den ersten überlieferten Jahrgangswein der Menschheitsgeschichte. Dieses Weinjahr wurde im antiken Rom zu einem Mythos: «Der legendäre Jahrgang 121 v. Chr. ist so etwas wie die Mutter des Weins», sagt die junge Winzerin Eleonora Gottardi, «was wir mit unserem Produkt anstreben, ist eine Rückkehr zu den Ursprüngen mit dem Wissen von heute». So wird auf alles «neumodische» wie Temperaturkontrolle oder Zusätze aller Art verzichtet. Sind Sie bereit, Wein in völlig neuer Couleur kennenzulernen?

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«Wie ein Schluck Sunrise Avenue!»

Samu Habers neuster Release ist ein Wein

Samu Habers neuster Release ist ein Wein Könnten Sie «nein» sagen, wenn Ihnen Samu Haber, der Sänger von Sunrise Avenue, eine Flasche Wein anbieten würde? Wir auch nicht! Deshalb bringt uns der smarte Finne neuerdings mit einem Wein zum Schmelzen. Bevor Samu 2006 mit seiner Band den musikalischen Durchbruch schaffte, lebte er vier Jahre lang in Spanien. Dort hat er turbulente Zeiten erlebt, betrieb teils dubiose Geschäfte, entdeckte aber auch seine Liebe für spanische Weine. Auf die Frage, was ihn an Wein fasziniert, sagt er auf seine verschmitzte Art: «Hat denn schon mal jemand beim Milch trinken eine tolle Idee gehabt?»

Als wegen der Pandemie die Abschieds-Tournee von Sunrise Avenue verschoben werden musste, blieb Samu nicht untätig. Zuerst schrieb er eine Autobiografie, in der er schonungslos ehrlich von seiner Vergangenheit erzählt, von den Höhenflügen und Tiefenpunkten in seinem Leben, von seinen Träumen, aber ebenso von Depressionen und Burnout. Ob es beim Rückblick auf sein Leben war, dass ihm die Idee kam, einen eigenen Wein zu machen? Bestimmt nicht beim Milch trinken, wie wir inzwischen wissen… «Ich habe jahrelang davon geträumt, meinen eigenen Wein zu haben», sagt Samu. Sein Rotwein passe zum Singen, Tanzen, sei der ideale Begleiter fürs Abendessen mit Freunden oder stundenlange Gespräche übers Leben. «Er ist perfekt für den Moment, wenn dich jemand ganz Spezielles bei Kerzenlicht ein bisschen zu fest in den Armen hält.» Ok, Samu… wir sind restlos überzeugt. Zumal der Wein geschmacklich erstklassig ist. Er wird uns in Zukunft genauso treu begleiten wie «Fairytale Gone Bad» oder «Hollywood Hills»!

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