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No. 31

Auf das Richtige fokussiert

«Manchmal lohnt es sich, Dinge zu tun, die auf den ersten Blick verrückt scheinen. Manuel Álvarez-Arenas hat es gewagt, Etiketten ganz neu zu denken. Einige prophezeiten seinen sicheren Ruin, doch er hatte Erfolg – und damit die Weinwelt bereichert. Das erinnert uns an unsere eigene Geschichte: Als wir Flaschenpost im Jahr 2006 gegründet haben, fanden es die meisten Weinhändler absurd, Wein im Internet verkaufen zu wollen. Na dann... auf verrückte Ideen!»

Renzo Und Dominic@2x

Dominic Blaesi & Renzo Schweri

Gründer

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«Etiketten sind ein optisches Vergnügen, das zum Genuss eines Weines beiträgt.» - Manuel Álvarez-Arenas

Weine mit Heldenmut aus der Mancha

Die Mancha ist die Region vom leicht verrückten Don Quijote, der für seine Ideale gegen Windmühlen und Weinschläuche gekämpft hat. Wie bedeutungsvoll die Abenteuer des leidenschaftlichen Ritters aus dem alten spanischen Roman heute noch sind, zeigt die Geschichte des Weinguts Tinedo. Um sie zu verstehen, müssen wir etwas ausholen: Ab 1865 bis ins frühe 20. Jahrhundert zerstörte die aus Nordamerika eingeschleppte Reblaus grosse Teile der europäischen Weinanbaugebiete. Die Mancha blieb aufgrund ihrer klimatischen Bedingungen von der gefrässigen Laus verschont. So stieg die Nachfrage nach Wein aus der kastilischen Region plötzlich enorm. Die kleinen Bodegas verschwanden zusehends und wurden durch grosse, industrialisierte Betriebe ersetzt. Als sich die Reblaussituation in Europa wieder entspannte, fielen die Preise für die Weine der Mancha in den Keller.

Wer noch rentieren wollte, musste sehr viel Wein möglichst günstig liefern. «Meine Grosseltern und mein Vater wollten ihre kleine Bodega um jeden Preis behalten», erklärt Manuel Alvarez-Arenas, der das Familienweingut Bodega y Viñedo Tinedo zusammen mit seinen beiden Schwestern führt. «Das war eigentlich das Dümmste, was man damals machen konnte», sagt Manuel lachend und fügt an: «Aber dieser Sturheit verdanken wir es, dass wir heute die wohl aussergewöhnlichste Finca der Mancha haben.» Zum 170-jährigen Bestehen haben die drei Geschwister deshalb die Max-Weine lanciert. Eine Hommage an ihren Vater Máximo und seine Leidenschaft, das Weingut trotz aller Widerstände weiterzuführen, ohne je zu wissen, ob sein Tun eine Zukunft hat. Ganz seinen Idealen verpflichtet. Ein echter Held der Mancha eben – man könnte zweifellos einen Roman über ihn schreiben.

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Ein Weingut mit verrückt guten Ideen

Tinedo-Weine tanzen aus der Reihe. Sie kommen von einem kleinen, nachhaltigen Familienweingut aus einer Region, die von industriellen Grossbetrieben dominiert wird. Vor allem aber fallen sie auf den ersten Blick auf. Hätten die Zürcher Dadaisten Weinetiketten kreiert, sie wären wohl recht ähnlich ausgefallen. Doch Winzer Manuel Alvarez-Arenas, der ein Bewunderer zeitgenössischer Kunst ist, gibt sich bescheiden: «Wir sehen unsere Etiketten nicht als Kunst. Wir finden einfach, dass die Etikette auf der Höhe des Weines sein und diesen gut repräsentieren muss.» Ein avantgardistischer Wein also? «Wir machen moderne Weine, die primär die Aromen der Trauben zum Ausdruck bringen wollen und daher sehr darauf achten, nicht zu viel Holz zu verwenden.» Dem studierten Biologen, der jahrelang als Berater für Nachhaltigkeit tätig war, ist es zudem wichtig, eine Vorreiterrolle einzunehmen was die ökologische Verantwortung betrifft. Sein Ziel ist die Klimaneutralität der Finca. Doch zurück zu den ausgefallenen Etiketten: Die Bilder für die Collage hat der Winzer selbst beigesteuert. Er fotografiert schon seit vielen Jahren und hat auch schon in Fotozeitschriften publiziert. Anfangs fanden viele, solche Etiketten zu gestalten sei keine gute Idee. Er würde damit sein Geschäft ruinieren. Doch Manuel ist eben ein Nachkomme von Max, will heissen: Er macht die Dinge, wie er sie für richtig hält – egal, wie verrückt sie anderen erscheinen. Auf die Parallelen zu Don Quijote angesprochen, meint Manuel: «Wenn wir zu normal denken, schränken wir unsere Möglichkeiten ein. Don Quijote war verrückt, dadurch aber frei von jeglichen sozialen Normen.» Ob der Ritter die übliche spanische Etikette mit Wappen bevorzugt hätte? Wir jedenfalls zählen uns gern zu den Verrückten!

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«Sorgfalt ist Trumpf.»

Nadine Saxer und Stefan Gysel sind das unschlagbare Traumpaar

Nadine Saxer und Stefan Gysel sind nicht nur im Privatleben ein vertrautes Paar – auch im Beruf ergänzen sich die Önologen perfekt. Beide führen ein eigenes Weingut, Nadine im Kanton Zürich und Stefan im Kanton Schaffhausen. Sie leben mit ihren drei Töchtern auf dem Weingut von Nadine in Neftenbach. Auf die Frage, ob es in ihrer Situation nicht manchmal schwierig sei, das Berufliche vom Privaten zu trennen, meint Nadine lachend: «Wenn man so einen schönen Beruf hat, muss man das gar nicht trennen.» Ob es an dieser positiven Einstellung liegt, dass ihre Weine so harmonisch und kraftvoll sind? Nadine führt ihren Erfolg vor allem auf die konstante und intensive Arbeit in den Reben und im Weinkeller zurück: «Wir haben stets das Ziel höchste Qualität zu produzieren und uns immer noch mehr zu steigern.» Das bleibt nicht unbemerkt: Am Grand Prix du Vin Suisse durfte Stefan Gysel mit Aagne bereits 10 Gold- und 19 Silbermedaillen entgegennehmen. Nadine Saxer übertrumpft ihren Ehemann sogar noch mit ihren 11 Gold- und 23 Silbermedaillen, allerdings wurde Stefan 2009 als bis heute einziger Deutschschweizer zum «Winzer des Jahres» gekürt… Besteht zwischen zwei derart erfolgreichen Weinmachern vielleicht manchmal Konkurrenz? Wie ist das beispielsweise, wenn es um die Wahl des Weins zum Hochzeitstag geht? «Am Hochzeitstag reicht eine Flasche nicht… Also können wir zum Apéro eine Flasche vom einen Weingut und zum Essen eine vom anderen Weingut nehmen», meint Stefan schmunzelnd, «und natürlich darf es auch mal ein Wein von einem Winzerkollegen sein, dann können wir diesem Streit ausweichen». Diese Einstellung macht doch einfach Lust auf mehr Schweizer Wein – wir haben hier nämlich ganz viele Asse im Blatt.

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«Halleluja, was für ein Beaujolais!»

Domaine de la Madone verblüfft die Weinkritik

Mit dem Beaujolais ist es so eine Sache. Die südlichste Region des Burgunds ist bekannt für spassige Rotweine, die nach Himbeerkaugummi schmecken. Spätestens am nächsten Morgen verfluchen die meisten diese süffigen Leichtweine und wollen nie mehr etwas vom Beaujolais wissen. Doch die Region hat ein zweites, stilleres Gesicht: Das der sorgfältig produzierten, verblüffend gut strukturierten Lagenweine. Die Familie Bererd bewirtschaftet unter dem Namen Domaine de la Madone 90 kleine Rebgärten mit einer Gesamtfläche von 28 Hektaren. Die meisten Parzellen befinden sich an einem Hügel, auf dem eine Madonnenstatue thront. Die Weinberge liegen teils in beträchtlichen Steillagen, der Boden ist karg und besteht hauptsächlich aus pinkem Granit – kurz: perfekte Voraussetzungen für erstklassige Weine. Deshalb orientieren sich die Bererds sowohl im Rebberg wie im Keller am Qualitätsmodell der burgundischen Crus. Dank unermüdlicher Handarbeit gelingen ihnen Weine mit einer wunderbaren Frucht, die sehr leichtfüssig und frisch wirken, aber eben auch eine beeindruckende Komplexität zeigen. Diese Perle blieb auch der internationalen Weinkritik nicht verborgen: «Dies ist ein fantastischer Beaujolais Villages, der viele Crus in Verlegenheit bringen würde», schrieb William Kelley von The Wine Advocate. In Alltagssprache übersetzt: Dieser Wein ist ein wahrhaftiges Preis-Leistungs-Wunder. Halleluja!

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«Come as you are...»

Hannes Reeh rockt die Weinwelt unplugged

Seine Weine haben eingeschlagen wie einst die Hits von Nirvana. Doch nach Starallüren sucht man bei Hannes Reeh vergeblich. Der Österreicher pflegt zwar einen unbeschwerten Lebensstil, aber er ist viel zu zielstrebig, um das ausschweifende Leben eines Rockstars führen zu wollen. Im Jahr 2007 hat er das Weingut von seinen Eltern übernommen und sich mit jugendlicher Unbefangenheit darangemacht, den Betrieb zu erneuern. Der ganze «Schnickschnack» um den Wein gefiel dem jungen Mann nicht, er wollte authentische, ehrliche Weine machen und auf jegliche Kosmetik und künstliche Verstärkung verzichten. Seine Weine sollten pure Emotionen ausdrücken, genau wie die Musik von Nirvana im Album «Unplugged in New York». So war auch schnell ein Name gefunden, der die Arbeit von Hannes Reeh auf den Punkt bringt: Die besten Trauben des Jahrgangs vinifiziert er «unplugged» – ohne Reinzuchthefen, Enzyme, Schönungsmittel und Filtration. Heute sind diese Weine das Markenzeichen von Hannes Reeh, er hat damit sogar schon den Österreichischen Zweigelt Grand Prix gewonnen. Wie kein zweiter hat es der junge Winzer geschafft, Lässigkeit und Ambition zu vereinen. Sein Zweigelt sei nicht etwa ein unnahbarer Gentleman, sondern «wie ein geselliger Freund, den man gerne in seiner Runde aufnimmt», sagt Hannes Reeh. Wäre dieser Wein ein Song, man müsste ihn einfach auf Repeat setzen.

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«Flaschenpost und Cair haben das Herz am gleichen Fleck.» - Juan Luis Cañas

Ein Premiumwein zum Freundschaftspreis

«Wäre Flaschenpost ein Wein, was für einer würde es sein?» Diese Frage wurde Renzo Schweri und Dominic Blaesi vor ein paar Jahren in einem Interview gestellt. Die Antwort kam von beiden wie auf Knopfdruck: «Cair!» Denn die Eigenschaften, für die Flaschenpost als Firma stehe, stimmten auch für ihn, betonten die beiden Gründer. «Er ist modern, hat aber seine Wurzeln nicht vergessen. Er ist authentisch und mit viel Herzblut gemacht. Doch am wichtigsten ist: Er macht einfach viel Freude!» Diese Liebeserklärung wurde ein paar Jahre später von Dominio de Cair erwidert: Der Winzer Juan Luis Cañas bot uns an, gemeinsam einen exklusiven Wein für Flaschenpost zu keltern. Einen Cair ganz nach unserem Geschmack? Das mussten wir uns nicht zweimal überlegen! Und so hat Dominio de Cair mit verschiedenen Fässern experimentiert – mal mit etwas mehr Röstung, mal mit verschiedenen Holzarten – bis die Kombination gefunden wurde, welche die Fruchtaromen frisch zum Ausdruck bringt und gleichzeitig für eine angenehme Süsse im Mund sorgt. Aus der sorgfältigen Selektion von 22 Fässern entstand «unser» Wein: ein wahrer Premiumtropfen zum Freundschaftspreis. Wir sind mächtig stolz.

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