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No. 29

Heldin aus den Highlands

«Hoffen Sie auch, dass sich der Winter bald verabschiedet? Endlich wieder angenehme Wärme – wie schön! Dass kühle Temperaturen ihr Gutes haben, beweisen die Weine von Rosalía Molina. Dank den gemässigten Temperaturen reifen die Trauben sehr langsam und ergeben besonders intensive und frische Weine. Auf einen sonnigen Frühling!»

Renzo Und Dominic@2x

Dominic Blaesi & Renzo Schweri

Gründer

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«Dein Traum kann wahr werden, wenn du den Mut hast, ihm zu folgen.» – Rosalía Molina

Viel Geduld bringt viel Geschmack

Ein rothaariger Wirbelwind fegt über den Vorplatz, winkt mit fröhlichem Lachen dem ankommenden Auto zu, lässt einen fachkundigen Blick über die soeben angelieferten Fässer gleiten und findet dazwischen immer Zeit, um die Katze zu kraulen. Rosalía Molina ist die Gründerin von Bodegas Altolandon. Das Weingut liegt etwa 130 Kilometer nordwestlich von Valencia, «mitten im Nirgendwo». Da hier auf 1100 Metern über Meer immer ein kühler Wind weht, reifen die Trauben gesund und langsam. «Wir ernten gewöhnlich von Mitte Oktober bis Mitte November, rund zwei Monate später als unsere Nachbarn in den tieferen Regionen», sagt Rosalía. Durch die verlangsamte Reifung bilden die Trauben eine besonders vielschichtige Aromatik aus: «Es ist wie Niedergaren beim Kochen.» Man merkt, Rosalía lebt dieses Weingut mit Haut und Haar. So wundert es auch nicht, dass ihr erstes Kind beinahe auf dem Weingut zur Welt gekommen wäre. «Ich bekam drei Kinder in drei Ernten. Wenn ich heute zurückblicke, weiss ich nicht, wie ich das geschafft habe.» Rosalías Kinder sind in den Reben gross geworden, haben zwischen Flaschen und Fässern gespielt, während sich ihre Mutter um den Wein kümmerte. «Wissen Sie, was mein ältester Sohn jetzt studiert? Önologie! Das ist eine sehr grosse Genugtuung für mich», sagt die sichtlich stolze Mama. Es sei schön zu wissen, dass ihre Begeisterung für den Wein auf ihr Kind übergesprungen sei. Rosalía hält inne, lächelt gedankenversunken, während der Wind mit ihren Haaren spielt. Im nächsten Moment sieht man sie in den Rebzeilen verschwinden, die Spiegelreflex-Kamera griffbereit, denn ein Storch ist gerade auf der Wiese gelandet. Es scheint ihre Begabung zu sein, Naturspektakel festzuhalten – in Form von Fotos und Wein.

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Erfolgreich mit Höhenluft und Herzblut

«Wir haben bei weniger als Null angefangen und alles ist auf der Grundlage von Arbeit, Ausdauer und Begeisterung entstanden...», sagt Rosalía Molina. Mitte 20 unternahm die junge Önologin mit ihrem Mann Manuel eine Reise nach Argentinien. Die beiden waren fasziniert von den Weinen aus grosser Höhe. Ob sowas auch in Spanien möglich wäre? Sie wollten es wissen und kauften ein kleines Stück Land im Heimatdorf von Manuel, das in der hintersten Ecke der Provinz Cuenca liegt, auf einem Hochplateau gleich neben dem einzigen Skigebiet der Region. Sie pflanzten die ersten Reben und fünf Jahre später mussten sie die Möbel aus dem Erdgeschoss ihres Hauses nehmen, um Platz für Gärbehälter und Tanks zu schaffen. 2006 wagten die beiden, mittlerweile Eltern von drei kleinen Kindern, den Schritt in die Professionalität, bauten eine Kellerei und kauften weiteres Land dazu. Dass es schwierig werden würde, sich als Newcomerin aus einem völlig unbekannten Weingebiet durchzusetzen, war sich Rosalía bewusst: «In Spanien empfangen sie dich nicht mit offenen Armen, wenn du keine bekannte Marke bist.» Zudem war auch Biowein damals ein Nischenprodukt. «Also reiste ich nach Japan und Kanada, mit meinen Weinen im Gepäck, traf Leute und erzählte ihnen, was ich mache. Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, wie viele Runden um die Welt ich schon gereist bin… aber ich habe drei Reisepässe verbraucht.» Obwohl sie es liebt zu reisen und Städte wie New York oder London sie beflügeln, steht für Rosalía Molina fest: «Der schönste Ort der Welt ist und bleibt Altolandon. Jeden Tag wenn ich hier ankomme, durch die Weinberge gehe, diese reine Luft einatme, in den Himmel schaue und über dieses spektakuläre, intensive Blau nachdenke – dann bin ich unendlich glücklich über das, was wir hier geschaffen haben...»

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Ein Syrah, wie er im Buche steht

«Die Bodega Chivite prägt seit 1647 den spanischen Qualitätsweinbau. Der entscheidende Faktor für ihren Erfolg ist seit eh und je der Weinberg Legardeta. Hier stimmt einfach alles: Klima, Böden und Topografie sind wie geschaffen für den Anbau von Wein. Rund 40 Kilometer südwestlich von Pamplona gelegen, zählt das Gebiet zu den nördlichsten der iberischen Halbinsel. Der nahegelegene Atlantik sorgt für ein gemässigtes Klima, was Weine mit einem frischen und eleganten Profil ermöglicht. Bei Bodega Chivite war man schon immer der Meinung, dass die Qualität eines Weins nicht vom Potenzial einer Rebsorte abhängt, sondern vielmehr davon, wie gut eine Rebsorte auf ein spezifisches Terroir passt. Legardeta und Syrah schienen wie füreinander gemacht. «Syrah erwies sich als ideale Sorte für unseren Weinberg. Sie übersetzt unser Terroir in einen Wein voller Reife und Mineralität. Ein perfekter Syrah», schwärmt Julián Chivite, Legardeta-Winzer in der 11. Generation. Tatsächlich überzeugt der Syrah von Legardeta mit einer frischen Säure, guter Tanninstruktur sowie den sortentypischen Aromen von Kirschen, Himbeeren und Gewürzen. Kulinarisch verlangt der Wein geradezu nach mediterranen Kräutern wie Thymian oder Rosmarin, zudem lässt er sich sehr gut mit deftigen Gerichten kombinieren. Probieren Sie ihn zu Datteln im Speckmantel, dem Tapas-Klassiker aus Spanien. Schnell, einfach, überraschend – eine runde Sache!»

Laden Sie hier das Rezept "Dátiles con bacon" herunter.

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«Endlich ist er da!»

Diese Weltneuheit sorgt für Frühlingsgefühle

«Das Frühlingsgefühl existiert», bestätigte kürzlich die Forschung. Die typische Aufbruchsstimmung verdanken wir in erster Linie den längeren Tagen mit mehr Sonnenlicht. Das lässt die Glückshormone sprudeln! Wir haben wieder mehr Lust auf Aktivitäten, wollen Ballast abwerfen und Neues ausprobieren. Ob es wohl Frühlingsgefühle waren, welche die Herren vom Consorzio Prosecco DOC dazu gebracht haben, eine revolutionäre Neuerung zuzulassen? Seit der Weinlese 2020 ist es nämlich gestattet, auch Prosecco Rosé zu keltern. Von den insgesamt 347 Prosecco- DOC-Kellereien haben 75 subito mit der Produktion einer Variante in Rosa begonnen, darunter auch unser Lieblingsproduzent Meco aus der Provinz Treviso. Wir konnten es natürlich kaum erwarten, diese Neuheit zu probieren. Nun, dieser Korkenknall hat bei uns den Frühling eingeläutet – und tröstet locker über das abgesagte Sechseläuten hinweg. Was für ein Blumenstrauss an Aromen, dazu die Frische einer Frühlingsbrise und ein angenehmes Kribbeln am Gaumen. Keine Frage, wir sind total «verknallt». Mit ihm werden wir die ersten warmen Sonnenstrahlen auf dem Balkon geniessen, wir werden ihn zum Osterbrunch auftischen, ihn zum Picknick im Park mitnehmen. Wer weiss, vielleicht sorgt er auch beim einen oder anderen Date für zusätzliches Kribbeln. Eins ist sicher: Für uns gehört dieser Wein von nun an zum Frühling wie Primeli und Eiertütsche.

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«Don Quijote lässt Sie nie im Stich!»

La Pica - unser Erfolgsduo aus der Mancha

La Mancha – schon Don Quijote hat sich hier den einen oder anderen Becher Wein gegönnt. Wir Flaschenpöstler tun es ihm gleich und haben uns auf die abenteuerliche Suche gemacht nach einem spanischen Rotwein, der unseren hohen Erwartungen an Geschmack und Stil standhält. Heute brechen wir eine Lanze für die «La Pica»-Weine. Sie sind die perfekten Begleiter für ungezwungene Abende mit Freunden und Geschichten aus vergangenen Zeiten. Haben Sie auch schon mal gegen Windmühlen gekämpft? Diese Redensart verdanken wir Don Quijote, dem Ritter aus dem alten spanischen Roman. Er glaubte so fest an seine Ideale, dass für ihn Windmühlen zu vielarmigen Riesen wurden. Wer eine aussergewöhnliche Vision hat und dafür mit Herzblut kämpft, wird gerne belächelt, doch nicht selten entsteht auf diese Weise etwas Grossartiges. Leidenschaft kennt keine Grenzen – das wusste schon Don Quijote. Darauf sollten wir anstossen!

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«Faszination Ätna»

Wein vom Vulkan sorgt für Furore

Die Weinwelt schaut derzeit gebannt Richtung Sizilien. Nicht etwa, weil der Ätna seit Mitte Februar wieder Feuer und Asche spuckt, sondern weil die Weinbauregion an den Flanken des Vulkans als Hotspot im italienischen Weinbau gilt. Das milde Klima sowie die von Lava und Vulkanasche mineralisierten Böden ermöglichen es, Gewächse von einzigartiger Finesse zu keltern. Viele bekannte Namen haben das Potenzial der DOC Etna erkannt und sich in den letzten Jahren hier Weinberge gekauft. Die Familie Tornatore hingegen ist alteingesessen. Vor über 150 Jahren pflanzte der Urgrossvater von Francesco Tornatore die ersten Reben an der Nordseite des Vulkans. Die malerische Tenuta liegt mitten in einem mediterranen Paradies aus Reben und Olivenbäumen. Trotz der Schönheit und der Grosszügigkeit dieser Gegend sind viele abgewandert. War Castiglione di Sicilia Mitte des 20. Jahrhunderts noch ein florierendes Zentrum der Landwirtschaft mit rund 10'000 Einwohnern, sind es heute nur noch rund 3000. Francesco Tornatore ist froh, dass er es geschafft hat, das Erbe seiner Ahnen zu bewahren. Schliesslich hat er die Einzigartigkeit von diesem Flecken Erde von Kindesbeinen an erfahren. Und welches Verhältnis hat er zum Vulkan? Sieht er in ihm eher seinen grössten Freund oder seinen grössten Feind? «Meine Beziehung mit dem Ätna ist friedlich, zuversichtlich… Oft merke ich es nicht einmal, wenn er wieder schnaubt und spuckt. Meistens rufen dann besorgte Freunde an, um mich zu warnen.» Das Spiel mit dem Feuer findet bei Tornatore Jahr für Jahr ein faszinierendes Finale im Weinglas – wer wäre da nicht gelassen zuversichtlich?

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